WWOOFing- Der Artemishof in der Uckermark

Ich war wieder WWOOFen!

„WWOOF“ steht für „world wide opportunities on organic farms“.

Über die Organisation WWOOF  kann man als freiwilliger Helfer auf  kleinbäuerlichen, gewerblichen und privaten (Selbstversorger)- Höfen Einblicke in den Alltag ebensolcher gewinnen. Das Ganze läuft bei 4-5 stündiger Tätigkeit gegen Kost und Logis.

2 Tage die Woche sind frei, meist die Wochenenden. Wer mehr über die Organisation WWoof e.V. wissen möchte, kann hier meinen ersten Bericht lesen. 🙂

Diesmal war ich also in der schönen Uckermark, knapp etwas weniger als 1,5 Stunden von Berlin entfernt.

Mein Ziel war dabei der Artemishof in Flieth.

Um dorthin zu kommen, fährt man am besten nach Warnitz (UM) und nimmt sein Fahrrad mit. Es geht dann 8 km auf Feld-,Wald- und Wiesenwegen vorbei am schönen Oberuckersee.

Idealerweise habt ihr mindestens 3 Gänge, denn die Uckermark ist ganz schön hügelig.

Die "Provence Brandenburgs" wie ich finde. Ein Phaceliafeld mit Kornblumen im Vordergrund statt Lavendel. 🙂

Die BewohnerInnen des Artemishofes

Ursula Macht ist promovierte Literaturwissenschaftlerin, Heilkräuterkundige, Permakulturlehrende, Tierversteherin und versierte Geschichtenerzählerin.

Auf dem Hof leben außerdem noch Schriftstellerin Sylvia, Martina, die einen Stoffhandel betreibt, ihre Tochter Sophie, bildende Künstlerin und ihre kleine Tochter Lilith.

Die Schafsherde, bestehend aus „Guteschafen“, welche ihr Fell selbständig durch Schubbern an Bäumen abwerfen, 3 Katzen, 5 Laufenten und eine Handvoll Hühner mit Küken vervollständigen die Hofgemeinschaft. 

Ursula zog als erste Bewohnerin der Gemeinschaft vor 10 Jahren aus Berlin auf den Artemishof.  Dieser ist ein vereingetragenes Permakultur-Selbstversorgerprojekt mit vielfältigen Angeboten in den Bereichen Gesundheit, Kultur und Bildungsarbeit.

Es gibt eine Garagengalerie mit wechselnden Ausstellungen, Wild- Heilkräuter- und literarischen Wanderungen und obendrein besteht die Möglichkeit Urlaub in der „Heuherberge“ zu machen.

In einem Trakt des 3-Seitenhofes kann man wie vor hundert Jahren wahlweise auf Heu oder Stroh schlafen.  Der ausgebaute Dachboden ist sehr gemütlich und man findet dort sogar zu 9. Platz! 

Schlafen auf Heu
Schlafen auf Stroh

Meine Aufgaben als WWOOFerin

Auf einem Hof fällt ja immer Arbeit an. Diesmal sollte ein Ziegelsteinpflaster  in einem alten Stall verlegt werden, um diesen zukünftig als Werkstatt zu nutzen. Zusammen mit meinem WWOOF-Kollegen Erik habe ich dafür die Vorarbeiten erledigt. 

Alte Ziegelsteine wurden entfernt, teilweise zerkleinert und dann auf dem Boden verteilt. Als Maß diente dabei eine Metallstange, die mit einer Wasserwaage ausgerichtet wurde und uns die Füllhöhe vorgab. 

Der nächste Schritt ist dann das „Aufziehen“ von feinem Kies, so dass eine ebenmäßigen glatte Schicht entsteht. Darauf werden dann die Pflastersteine verlegt. Leider habe ich das Kiesaufziehen und Pflasterlegen verpasst, werde aber der Vollständigkeit halber die weiteren Schritte zeigen.

Danke an Erik für’s Fotografieren! 🙂

Vorarbeit mit Steine sortieren. Links das ausgerichtete Rohr zur Festlegung der Füllhöhe
Die Steinschicht ist fertig, jetzt kommt der Kies
mit aufgezogenem Kies und teilweise schon mit Ziegelsteinpflaster
Und fertig!

Weitere Aufgaben und Möglichkeiten auf dem Artemishof

Ich habe unter anderem Heu gewendet, morgens Enten und Hühner aus dem Stall gelassen und gefüttert, zum Frühstück Himbeeren und Stachelbeeren vom Strauch genascht…

…Wildkräuter (Brennessel, Giersch, Beinwell, Beifuss, guter Heinrich, Gartenmelde) geerntet und damit für 7 Leute gekocht…

… Kirschen gepflückt, Kirschhimbeer-Kuchen und Birnentarte gebacken, tolle Gespräche geführt…

…  mit der kleinen Lilith und WWOOFer Erik täglich einen Besen-Rundflug à la Bibi Blocksberg über den Hof gemacht…

…habe Märchen und Geschichten über respektierte und respektvolle chilenische Straßenhunde vorgelesen bekommen und ausgiebig Schafe gestreichelt. 🙂

Freizeitoptionen

In meiner Freizeit waren wir mit dem Fahrrad in der Umgebung unterwegs, habe uns verfahren, statt dem ersehnten See massenweise Himbeersträucher im Wald entdeckt und letztendlich doch noch an den Oberuckersee in Fergitz gefunden. 

Am Wochenende haben wir den „großen Garten“ von Filmemacherin Lola Randl in Gerswalde besucht.

Dazu ein kleiner Exkurs:

Auf dem wunderschönen, urigen Waldgrundstück der ehemaligen Schlossgärtnerei kann man flanieren und im Café zum Löwen, welches von zwei Japanerinnen betrieben wird, japanische und europäische Speisen essen.

Gerswalde wurde mal in der Presse als  das „Hipster-Dorf der Uckermark“ bezeichnet. Das finde ich etwas übertrieben und so „schlimm“ ist es wirklich nicht. 🙂 

Ich finde es eine gute Idee, „stadttypische“ Kulturelemente auf’s Dorf zu bringen und dadurch einen Kontrast zum „herkömmlichen“ Dorfleben zu setzen. Wie es scheint, schauen auch die Einheimischen öfter mal vorbei und tauschen sich mit den „Städtern“ aus. 

Im großen Garten gibt es: Das Café, eine Räucherei, Eisverkauf/ Barbetrieb und einen Klamottenladen. Den Garten bzw. Teile der Gebäude kann man für Events mieten.

Mir persönlich hat das Ambiente vor Ort ganz gut gefallen, ich fand es sehr witzig, dort auf internationale Besucher zu treffen und das Gelände ist wirklich absolut sehenswert.

Auf youtube kann man Lola Randls Geschichten unter dem Stichwort „Landschwärmer“ folgen. Mir gefällt die unaufgeregte ruhige Darstellung und die entspannte Art der Charaktere, aber für meinen veganen Geschmack sind die Szenen von selbst geschlachteten und zubereiteten Hühnern und Kaninchen echt nix. Gut, besser selbst schlachten als im Schlachthof, aber tot ist das Tier natürlich trotzdem. Und ich empfinde das als nostalgische Romantisierung unter dem Motto das „ursprüngliche Landleben“ 🙁

Das Café
Eidechse in der ehemaligen Schlossgärtnerei
Der Wald

Man sieht, es ist also einiges los in der Uckermark! Für mich eine der schönsten Regionen Brandenburgs, ich gerate schon wieder ins Schwärmen. 🙂

Zum Abschluss gibt es wieder einige Impressionen vom WWOOF-Hof 

Frühstücksplatz
Hängematte am Ententeich
Hochbeete
Die Laufenten-Schar
Die "Guteschafe" werden ihr Fell selbständig ab
Erik und der sehr zutrauliche Schafbock Joringel
Sonnenuntergang bei den Schafen... und gute Nacht...
Mein Schlafplatz auf dem Dachboden

Die Zeit mit Ursula und ihren Mitbewohnerinnen Sylvia, Martina, deren Tochter Sophie und Enkelin Lilith und Mit-WWOOFer Erik war sehr schön, bereichernd und natürlich viel zu schnell vorbei!

Bis zum nächsten Mal auf dem Artemishof!

2 Kommentare zu „WWOOFing- Der Artemishof in der Uckermark“

  1. Liebe Susanna,
    was für ein schöner Bericht 🙂
    Nicht nur die Fotos, auch Deine Worte malen stimmungsvolle Bilder…
    Die Zeit mit Dir hier auf dem Hof war – und ich glaube, da spreche ich für uns alle – sehr schön und bereichernd, und Dein Essen und die Kuchen waren mega-lecker 🙂
    Bis zum nächsten Mal, alles Liebe
    Martina

  2. Hallo Susanna,
    Sehr schöner und informativer Artikel, besonderd für jemanden wie mich, der davon (noch) keine richtige Ahnung hatte! Sehr schöne Bilder auch!
    LG
    Martin

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