Unterwegs auf dem Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg

Wir werden Pilgerer

Meine Familie mütterlicherseits kommt aus Rheinland-Pfalz und ich wollte mir die Region gerne mal näher anschauen, dabei sind wir auf den Hildegard von Bingen Pilgerwanderweg gestoßen. Die meisten Orte auf der Route waren mir zumindest vom Namen her vertraut, einige kannte ich schon von Besuchen mit meiner Oma als Kind, aber das ist ja auch schon etwas länger her. 🙂

Der ganze Wanderweg ist 133,5 Km lang und führt von der Edelsteinstadt Idar-Oberstein bis nach Bingen am Rhein.  

Unsere geplanten Etappen sind: Idar-Oberstein-Fischbach-Kirn-Monzingen-Disi Bodenberg (Odernheim am Glan)

Es gibt eine App vom Land Rheinland-Pfalz, „Gastlandschaften“, darin sind die einzelnen Etappen gut dargestellt und es gibt Bewertungen bzw. Kommentare anderer Nutzer sowie weitere Tipps, fanden wir ganz gut. Und sie hat auch eine Offline-Funktion, ganz praktisch also.

Da ich in Odernheim Halt machen wollte, um mir die neue SoLaWi „Permaglück“ auf dem Biolandhof „Bannmühle“ anzuschauen und wir danach auch weiter zum WWOOFen Richtung Süden wollten, sind wir also „“nur“ bis zur Klosterruine „Disibodenberg“ gelaufen und nicht bis Bingen, was nördlich liegt. 

1. Etappe: Idar-Oberstein nach Fischbach

Gut Gelaunt laufen wir mittags in Idar-Oberstein los, nach unserer Anreise aus dem Odenwald.  Derzeit gibt es eine Umleitung, weil Teile des Weges erneuert werden, das bedeutet, erstmal zurück durch die Stadt und dann geht’s ziemlich steil bergauf zum Schloss. Dort ist der Einstieg zum Wanderweg.

Start

Der Pilgerwanderweg geht auf dieser Etappe über Forstwege und dann aber hauptsächlich über kleine Pfade, ab und zu über Felder. Die Ausschilderung ist insgesamt wirklich gut, das Hildegardsymbol  ist immer gut sichtbar, so wenig habe ich noch nie verlaufen beim Wandern! 😉

Am Ende kurz vor Fischbach gibt es ein ziemlich steiles Stück in kleinen Kurven.  Leider gibt es nur sehr spärlich Holzstufen und an den meisten Stellen kein Geländer und aufgrund des trockenes Wetters lande ich zwei Mal auf dem Allerwertesten. Zum Glück habe ich mir dabei nichts getan. Ich kann diesen Streckenabschnitt aber aktuell so wirklich nicht empfehlen, vor allem nicht mit Gepäck. 

Wir haben uns dann bei der zuständigen Touristeninformation gemeldet und den Sachverhalt geschildert, ich hoffe, der Weg wird jetzt gesperrt und erneuert.

Wir übernachten an diesem Abend in der Pension Anni, welche eine tolle Aussicht bietet und führen ein kurzes Gespräch mit der Besitzerin- das Problem mit dem steilen Wanderweg ist bekannt, sie hofft auch, dass es umgeleitet wird.

Sonnenuntergang in Fischbach

2. Etappe: Fischbach nach Herrstein

Dieser Abschnitt hat uns mit am besten gefallen. Los geht es auf einem Plateau mit Feldern und tollen Wildblumenwiesen. Dort sammeln wir uns gleich ein bisschen was für den Abendtee (Schafgarbe, Brennessel, Johanniskraut, Dost, Kamille).

Feldweg
Wildblumenwiese
Heilkräuter und Wildblumen

Die Wegeführung ist sehr aufmerksam und abwechslungsreich gestaltet worden. Große Abschnitte sind auf kleinen Wegen mitten im Wald und daher auch oft viel schöner als die breiten Forstwege. Ich finde, man wird richtig „mitgenommen“ und  auf Erkundungstour eingeladen.

links oder rechts? Ach, in der Mitte ist ja noch ein Weg! Und das ist der Richtige

Herrstein ist ein kleiner, wirklich niedlicher Ort. Es gibt einige interessante kleinere Läden/ Cafés, unter anderem die „Scheune am Hankelbrunnen“ mit einem schönen Regionalangebot, davon auch viel Bio. Die Besitzerin ist schon ein wenig älter, aber topfit und hat den Garten vorm Laden locker im Griff! Ich bin auf der Suche nach Wlan und darf mich an den Tisch setzen, während sie in den Beeten herumfuhrwerkelt. 

Scheune am Hankelbrunnen

3. Etappe: Herrstein- Kirn

Weiter geht’s, es ist Tag 3!

Mir tut schon einiges weh, vor allem der rechte Oberschenkel, ich denke, ich habe einige Muskeln überstrapaziert und klebe mir ein Kinesio-Tape auf Gesäß und Bein. Mit Erfolg! Ich dachte schon, ich würde die Etappe nicht laufen können. Also ich muss echt sagen, ich finde die Tapes echt ganz gut.
 
Via Bergen geht es heute nach Kirn.
In Bergen betreibt Paul Krachen die Hildegardstation und das Gästehaus „Toskana im Hunsrück“.
Er lädt uns auf einen Kaffee im Innenhof der Toskana ein, dort sitzen wir unter Olivenbäumen und es ist sehr warm. Wir fühlen uns ein wenig wie im Italienurlaub, als er uns ein wenig aus seinem Studentenleben in Italien erzählt.
Paul Krachen und seine Toskana im Hunsrück

Wir haben leider noch einiges an Strecke vor uns und müssen irgendwann weiter! Zum Glück sind wir relativ bald wieder im schattigen Wald. Wir laufen durch das Trübenbachtal mit seinen kleinen Wasserfällen und kommen dann am Ende unterhalb der Kirner Kyrburg heraus. Die Aussicht ist spektakulär, zu essen gibt’s leider nicht, das Restaurant hat Ruhetag. 🙁

Wasserfall im Trübenbachtal
Ausblick auf Kirn

4. Etappe Kirn nach Bad Soberheim

Diese Etappe muss ich leider aussetzen, nein, es ist nicht das Bein, dem geht’s wieder ganz gut. Der Retainer (ein Draht, der als Zahn-Stabilisator im Unterkiefer dient) hat sich an zwei Klebestellen gelöst und piekst mir in die Zunge!

Ich muss zum nächsten Kieferorthopäden. Glücklicherweise gibt es einen in Bad Sobernheim, das ist unser übernächster Stop. Ich fahre also mit dem Zug nach Monzingen in unsere nächste Unterkunft und danach eine Station weiter nach Bad Sobernheim, wo das los Ende abgeschnitten wird.

Ich laufe kurz durch die Innenstadt und entdecke einen Laden mit allem möglichen, vor allem aber alles zum Verarbeiten von Lebensmitteln, Einmachgläser, Gärtöpfe, Einkochtöpfe, Krauthobel, Entkerner und so weiter.

 

da schlägt das Selbstversorgerherz höher

Dann geht’s für mich zurück nach Monzingen. Jonas ist die Etappe alleine gelaufen und war ziemlich schnell durch. Vielleicht liegt es daran, dass er nicht so viel Pausen gemacht hat wie mit mir. Ich bin ziemlich oft in Himbeerbüschen verschwunden und habe genascht. 😉

Wir essen im Ort zu Abend, sind aber vom Angebot nicht so überzeugt. Insgesamt ist die Essensversorgung auf der Wanderung für uns ziemlich unbefriedigend. Allerdings bin ich ja als Kind schon Vegetarierin gewesen und kenne die „Gegebenheiten“ auf dem Land. Wenn ich länger wegfahre, bin ich meist in Ferienwohnungen und koch selbst, aber das hat mit dem Pilgern jetzt nicht so gut geklappt. Was soll’s, ein Pilgerleben ist einfach und bescheiden (und in unserem Fall ja nur 5 Tage lang), wir pflücken dieses und jenes im Wald, kaufen soviel frisches ein, wie wir bekommen (wenn wir Läden finden. 🙂 ) und snacken das weg, außerdem gibt’s Nüsse und Trockenobst.

5. Etappe: Bad Sobernheim nach Odernheim am Glan

So, jetzt ist auch schon endlich der letzte Tag angebrochen. Wir kommen durch den Ort Nußbaum, dort gibt es auch eine Hildegardstation mit Selbstbedienungskühlschrank und laufen dann durch die Weinberge nach Bad Sobernheim, die Aussicht ist toll!

Auf dem Weg von Nußbaum nach Bad Sobernheim

in Bad Sobernheim sind wir schon ein wenig platt und freuen uns auf das Ausruhen am Abend. Jonas hat sich Blasen gelaufen, er wechselt auf meine Sandalen (unglaublich, aber wahr, irgendwie „passen“ sie).

Nachmittags kommen wir endlich in Staudernheim an und laufen zur Klosterruine Disibodenberg, dort hat Hildegard von Bingen ihre ersten 39 Jahre ihres Klosterlebens verbracht.

Die Klosteranlage wurde im 12. Jahrhundert von Benediktinern erbaut, Hildegard und 18 Frauen leben dort gemeinsam mit Mönchen. 1147-1151 siedelt sie mit der Frauengemeinschaft in das neu gegründete Kloster „Rupertsberg“ in Bingen über.

Ein Moment der inneren Ruhe stellt sich ein
Auf dem Disibodenberg

Wir machen uns an den Abstieg und versuchen, eine Abkürzung zu nehmen. Sie ist sehr steil, wir kommen unten heil an und entdecken eine Treppe. Nächstes Mal nehmen wir einfach diese. 🙂

Blick auf Odernheim am Glan

Wir haben dieses Mal keine Unterkunft gebucht, haben aber Glück und kommen spontan bei der Familie Winter unter. Dort werden wir sehr offen aufgenommen und sogar in Bioqualität verköstigt! Eine Wohltat nach den letzten Tagen (veggie Döner, trockene Pommes, Pizza ohne Käse…)

Zum Gästehaus der Familie Winter gelangt man durch den Innenhof der Pizzeria „Da Pompeo“. 

Am nächsten Tag besuchen wir erst die SoLaWi „Permaglück auf dem Biolandhof Bannmühle und flanieren dann durch den wirklich schönen Ort Odernheim. 

Hier geht’s zum Beitrag mit der Vorstellung der SoLaWi Permaglück, die regenerative Landwirtschaft betreiben!

Dann geht’s nachmittags auch schon weiter Richtung Kaiserslautern zum nächsten WWOOF-Hof…

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